Sektion Bonn
Bedeutung von Luftmacht in den Verteidigungsplanungen der NATO
V.l.n.r. Richard Rohde (SL GSP Bonn), BG Volker Samanns, GLt a.D. Hans-Joachim Schubert (CG), Oberst Michael Warter (CG), GLt a.D. Dieter Naskrent (GFF). © Roland Heckenlauer
Einführung durch GLt a.D. Hans-Joachim Schubert - Clausewitz-Gesellschaft. © Roland Heckenlauer
Referent Brigadegeeneral Volker Samanns. © Roland Heckenlauer
Der voll besetzte Moltke-Saal BMVg Bonn. © Roland Heckenlauer
Nachbericht zur Veranstaltung “Bedeutung von Luftmacht in den Verteidigungsplanungen der NATO”
Brigadegeneral Volker Samanns, Head of the Joint Air and Space Power Staff Element im International Military Staff des NATO-Hauptquartiers in Brüssel, sprach bei einer Kooperationsveranstaltung der GSP Bonn mit der Clausewitz-Gesellschaft sowie der DAG, DWT und der Gemeinschaft der Flugabwehr- und Flugabwehrraketentruppe (GFF) über die Bedeutung moderner Luft- und Weltraummacht in den Verteidigungsplanungen der NATO.
Im Mittelpunkt des Vortrags standen die Voraussetzungen moderner Luftmacht, die Auswirkungen hybrider Konflikte sowie neue technologische Entwicklungen. Volker Samanns betonte, dass heutige Konflikte parallel in mehreren Räumen verliefen – militärisch, cyberbezogen, informationell und im Weltraum. Deshalb sei die Bezeichnung „Joint Air and Space Power“ treffender als der klassische Begriff „Joint Air Power“.
Die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine seien zwar wichtig, stellten jedoch „keine Blaupause für das eigene Handeln“ dar. Abschreckung werde letztlich durch den Gegner definiert. Zugleich führten technologische Entwicklungen, Robotik und die Verkürzung der sogenannten Kill Chain dazu, dass militärische Entscheidungsprozesse immer schneller ablaufen müssten.
Brigadegeneral Samanns gliederte seine Ausführungen in drei zentrale Arbeitsbereiche. Zunächst verwies er auf die „Strategic Standing Defence Plans“ der NATO, die verschiedene Missionen in einer „Single Integrated Defence Mission“ unter Führung von SACEUR bündeln sollen. Dabei gewinne die Luftverteidigung wieder eine so hohe Bedeutung wie im damaligen Kalten Krieg. Trotz moderner Luftmacht bleibe auch die Heeresflugabwehr unverzichtbar. Anschließend erläuterte er den NATO Defence Planning Process.
Im kommenden Planungszyklus stünden definierte Fähigkeitsziele im Mittelpunkt, die militärisch durch den „Military Input“ aus dem NATO-Hauptquartier vorbereitet würden. Ziel sei eine abgestimmte Fähigkeitsentwicklung innerhalb des Bündnisses.
Abschließend ging Volker Samanns auf die russischen Streitkräfte und die Lehren aus dem Krieg gegen die Ukraine ein. Russland zeige hohe Munitionsverbräuche, zugleich aber auch Lern- und Anpassungsfähigkeit. Die NATO verfüge mit den Joint Force Commands und dem Air Command in Ramstein zwar über leistungsfähige Strukturen, die notwendige Abstimmung zwischen 32 Nationen bleibe jedoch eine besondere Herausforderung. Als zentrale strategische Herausforderungen nannte Brigadegeneral Samanns Russlands militärische Fähigkeiten, die strategische Gleichzeitigkeit mehrerer Krisen sowie die veränderte Rolle der USA innerhalb des Bündnisses.
Der Abend endete nach einer intensiven Diskussionsrunde eines sehr interessierten Publikums und mit einem gemeinsamen Empfang der Teilnehmer und Gäste.
Text: Benedikt Roelen, GSP Bonn