Sektion Bonn
Prof. Carlo Masala, Oberst Andre Wüstner und Generalmajor Ansgar Meyer im Gespräch: Kriegstüchtig - und demokratisch? Die Bundeswehr als Spiegel der Gesellschaft
Prof. Carlo Masala, Oberst Andre Wüstner und Generalmajor Ansgar Meyer im Gespräch: Kriegstüchtig - und demokratisch? Die Bundeswehr als Spiegel der Gesellschaft
Nachbericht
Die Bundeswehr als Spiegel der Gesellschaft und die Rolle des Soldaten im Spannungsfeld von Kriegstüchtigkeit und Demokratie bildeten den thematischen Rahmen, mit dem sich ein stark besetztes Panel im Auditorium des Bonner Kunstmuseums am 01.10. befasste.
Nach einer historisierenden Einleitung von Prof. Dr. Volker Kronenberg rückte Moderatorin Lena Mosel die kontrovers diskutierte Kriegstüchtigkeit in den Fokus. Prof. Dr. Carlo Masala (Uni Bw München) begründete die Kontroverse damit, dass man in der Bundesrepublik eine sprachliche Verharmlosung des Militärischen gewöhnt sei. Wo Raketen zu ‘Wirkmitteln’ werden, könne auch kein Verständnis dafür da sein, dass Kriegstüchtigkeit praktisch eine Facette der Verteidigungsbereitschaft ist. Dem pflichtete André Wüstner (Deutscher Bundeswehrverband) bei. Aber: “Die Debatte hat etwas Gutes – jetzt spricht man darüber”, so Wüstner.
Weitere Themen waren das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz und die Kommunikation mit der jüngeren Generation. Ansgar Meyer (Zentrum Innere Führung) mahnte hier eine bessere Kommunikation der Bundeswehr an, André Wüstner bedauerte eine zu kurze Debatte. Prof. Masala gab zu bedenken, dass die BRD für viele junge Menschen ein abstraktes Konzept sei. Zielführender für eine Steigerung der Verteidigungsbereitschaft sei das Argument, dass es die eigene Art zu leben sei, die man bei der Bundeswehr verteidige. In dieser gewichtigen Aufgabe sieht Ansgar Meyer ihr Alleinstellungsmerkmal. Die junge Zielgruppe suche schließlich nicht nach Work-Life-Balance, sondern nach einer sinnstiftenden Aufgabe – hier liege die Chance der Truppe.
Auf der Zielgeraden wurde das Konzept der Inneren Führung thematisiert. Gerade in Zeiten einer sich verändernden Gesellschaft, erstarkenden politischen Rändern und hybrider Angriffe sei sie so wichtig wie noch nie, konstatierte André Wüstner. Die Frage, ob ihr Konzept dementsprechend neu gedacht werden müsse, verneinte Prof. Masala – stattdessen bedürfe es einer Modernisierung. Die politische Bildung in Frontalmanier habe aus seiner Sicht ausgedient. Diesem Gedanken griff Ansgar Meyer mit praktischen Einblicken in die Modernisierung auf. So erstelle man beispielsweise Pakete für Soldatinnen und Soldaten, in denen sie sich einzelnen Themen in neuen Formaten annähern können. “Der Kern, Integration in Staat und Gesellschaft und das Wertefundament, bleibt unverändert - aber wir brauchen neue Wege, um ihn an den Mann zu bringen” bilanzierte Meyer.
Ob Deutschland 2029 kriegstüchtig und demokratisch sei, war die Abschlussfrage des Abends. Für ein demokratisches Deutschland wolle er seine Hand nicht ins Feuer legen, so Masala. In der Kriegstüchtigkeit zeichnete Ansgar Meyer ein helleres Bild: Das Mindset in der Truppe sei da – aber grundsätzlich müsse die Frage nach der Kriegstüchtigkeit verstärkt den Menschen und nicht das Material in den Blick nehmen.
Der Abend endete mit einer lebhaften Diskussion mit den Zuhörerinnen und Zuhörern, deren Fragen die Attraktivität der Bundeswehr ebenso thematisierten wie die gesellschaftliche Resilienz.
Text: Robin Klein, JGSP Bonn