„9/11“ – Terrorangriff auf den Erzfeind Amerika

„9/11“ – Terrorangriff auf den Erzfeind Amerika

„9/11“ – Terrorangriff auf den Erzfeind Amerika / Für die Welt eine unvergessene Tragödie

Mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center (WTC) in Manhattan, New York City, und auf das Pentagon in Arlington, Virginia, beginnt eine neue Zeitrechnung des Terrorismus. Die politischen Auswirkungen des vom 43. Präsidenten Amerikas, George W. Bush, ausgerufenen „War on Terror“ sind bis heute spürbar. Ein Ende des „Kriegs gegen den Terror“ ist nicht abzusehen. Das „Trauerspiel von Afghanistan“, wie es Theodor Fontane in seiner Ballade von 1858/1859 beschreibt, hat sich in seiner aktuelleren Form am 30. August 2021 auf dem Flughafen von Kabul wiederholt. Fluchtartig verließen die Amerikaner das Land. Die Bundeswehr hatte ihre Stützpunkte schon vorher aufgegeben. 

Der 11. September 2001 ist ein Dienstag. Vier mit Kerosin vollgetankte amerikanische Linienflugzeuge werden an diesem Tag zu todbringenden Waffen. Auf dem Flughafen Boston (Massachusetts) besteigen Mohammed Atta und Marwan al-Shehhi mit je vier Komplizen Maschinen der Fluggesellschaften American Airlines (Flug 11, Flugziel Los Angeles) und United Airlines (Flug 175). Beide Maschinen vom Typ Boeing werden von den Terroristen entführt und in den Nordturm (415 m) und den Südturm (410 m) des World Trade Centers gesteuert. Zwischen 08:45 Uhr und 09:05 Uhr sterben alle Flugzeuginsassen sowie Hunderte Menschen, die sich in den Türmen aufhalten. Gegen 09:30 Uhr stürzt eine dritte entführte Maschine auf das Pentagon. Die vierte Maschine, die in Newark mit dem Ziel San Francisco gekapert wird, schlägt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania auf einem Feld auf. Dabei kommen die siebenköpfige Besatzung, die 33 Passagiere und die vier Selbstmordattentäter ums Leben. Es wird davon ausgegangen, dass diese Maschine nach Washington fliegen und dort in ein Regierungsgebäude gesteuert werden sollte. 

Gegen 10 Uhr stürzt der Südturm innerhalb von Sekunden ein und reißt rund 900 Menschen mit in den Tod. Etwa eine halbe Stunde später begraben über eine Viertelmillion Tonnen Stahl, Beton und andere Baumaterialien des Nordturms etwa 1.000 Menschen in ihren Schuttmengen. Der südliche Teil Manhattans an der Mündung des Hudson River ist in eine undurchsichtige, giftige Staub- und Aschewolke gehüllt. 

US-Präsident Bush befindet sich zu diesem Zeitpunkt in der Emma E. Booker Elementary School in Sarasota, Florida. Durch seinen Stabschef Andrew Card erfährt er von den Anschlägen. Um 09:30 Uhr gibt er eine kurze Erklärung ab: „Heute erleben wir eine nationale Tragödie. Zwei Flugzeuge sind in das World Trade Center eingeschlagen. Es handelt sich offensichtlich um eine Terrorattacke auf unser Land.“ Später kündigt er an, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und die Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft sind. Am Nachmittag gibt ein Regierungsvertreter bekannt, dass das Terrornetzwerk al-Qaida unter der Führung von Osama bin Laden verdächtigt wird, hinter den Anschlägen zu stecken. Gegen Abend stürzt auch das Nachbargebäude WTC 7 aufgrund seiner Beschädigungen ein.

Die Zahl der Todesopfer beträgt 2 977, davon 2 753 in New York. Unter den Toten sind Büroangestellte, 343 Feuerwehrleute, 60 Polizisten und Sanitäter sowie Besucher, Restaurantpersonal, Flugzeugpassagiere und Crewmitglieder. Im Bereich des Pentagon sterben 184 Menschen (125 im Gebäude und 59 Passagiere und Crewmitglieder) und beim Absturz in Pennsylvania 40 Menschen (33 Passagiere und sieben Crewmitglieder). Die Identifizierung der Opfer zieht sich über Monate hin. Sie kommen aus 115 Ländern, darunter sind auch elf deutsche Staatsbürger. Die Anzahl der Todesopfer durch Spätfolgen beläuft sich auf über 4.000.

Noch tagelang schwelen Feuer in den Trümmern. Der zu entsorgende Schutt bzw. Abfall beträgt etwa 1,8 Millionen Tonnen. Die wirtschaftlichen und ökonomischen Schäden sind immens. Einige Schätzungen aus Studien. Für Einkommensverluste, Sachschäden, Infrastrukturzerstörungen und Aufräumkosten werden 33 bis 36 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Das verlorene Lebenseinkommen der fast 3.000 Opfer wird auf 7,8 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Einkommensverluste durch Arbeitsplatz- und Branchenstörungen im Finanzwesen, in der Luftfahrt sowie in der Hotel- und Gastronomiebranche belaufen sich auf 3,6 bis 6,4 Milliarden US-Dollar. Die Kosten für die Reparatur, den Wiederaufbau und den Ersatz der zerstörten Gebäude und Infrastruktur werden mit 21,6 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Die New York City Partnership kommt auf 83 Milliarden US-Dollar an direkten und indirekten Kosten. Die Anschläge zählen zu den größten versicherten Schadensereignissen der Geschichte. Schätzungen zufolge gehen im Zuge des wirtschaftlichen Einbruchs nach dem Terroranschlag fast 600.000 Arbeitsplätze verloren. Nach den Anschlägen setzt eine große Spendenbereitschaft der amerikanischen Bevölkerung und aus aller Welt ein. Über 2,8 Milliarden US-Dollar kommen durch Hilfsorganisationen und Einzelpersonen zusammen.

Amerika gerät in eine Schockstarre, die jedoch nur von kurzer Dauer ist. Vergleiche mit dem japanischen Angriff auf die Pazifikflotte im Hafen von Pearl Harbor auf Hawaii am 7. Dezember 1941 werden gezogen. Dieser Überfall führte zum Kriegseintritt der USA gegen die Achsenmächte Japan (8. Dezember) und das Deutsche Reich sowie Italien (11. Dezember).  Benito Mussolini hatte in Rom und Adolf Hitler im Berliner Reichstag den Krieg gegen die USA erklärt.

Im Jahr 2001 ist die Situation jedoch ganz anders. Der Feind ist kein Land, dem man den Krieg erklären könnte. Die Spur führt zu dem saudi-arabischen Millionär Osama bin Laden. Er und sein Terrornetzwerk Al-Qaida („Die Basis”) halten sich in den Bergen Afghanistans versteckt. Ihre Verbündeten sind die radikalislamischen Taliban, die die gewalttätige, extremistische und terroristische Organisation schützen. Al-Qaida verübte bereits 1988 Bombenanschläge auf die US-Botschaft in Nairobi (Kenia) mit über 200 Toten und in Dar es Salaam (Tansania) mit elf Toten. Im Jahr 2000 kamen bei einem Anschlag auf die USS Cole im Hafen von Aden 17 US-Matrosen ums Leben. Das Schiff lag zum Auftanken in dem jemenitischen Hafen.

Am 12. September bewertet die NATO die Lage. Der NATO-Rat erklärt, dass Artikel 5 – Kern der kollektiven Verteidigung – angewendet werden könne, wenn klar sei, dass die Attacken aus dem Ausland gesteuert wurden. Der UN-Sicherheitsrat bestätigt mit der Resolution 1368 das Recht der USA auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung. Die USA legen Beweise vor, dass Al-Qaida die Anschläge verübt hat und die Operationen dazu von außerhalb der USA geplant worden seien. Am 4. Oktober erklärte NATO-Generalsekretär George Robertson, dass die Bedingungen für Artikel 5 erfüllt sind. Damit wurde erstmals und bisher einzigartig der NATO-Bündnisfall ausgerufen. Am 7. Oktober beginnt die Operation Enduring Freedom (Operation andauernde Freiheit). Sie endet am 28. Dezember 2014.

In Deutschland haben die Terroranschläge, wie in der ganzen Welt, Entsetzen und Erschütterung ausgelöst. Mit der Aussage von Verteidigungsminister Peter Struck im Dezember 2002, die „Sicherheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt“, beginnt die Neuausrichtung der Bundeswehr. Lands- und Bündnisverteidigung rücken in den Hintergrund, sie wird auf Auslandseinsätze ausgerichtet. Es dauert Jahre, bis am 2. Mai 2011 Osama bin Laden bei der „Operation Geronimo“ von amerikanischen Spezialkräften in Abbottabad (Pakistan) getötet wird. 

Auf dem Gelände des ehemaligen World Trade Centers, das auch als „Ground Zero“ bezeichnet wird, steht heute das „9/11 Memorial“ oder auch „National September 11 Memorial and Museum“. Es wird am 11. September 2011 offiziell eingeweiht. In die Ränder der beiden großen Wasserbecken sind die Namen der Opfer eingraviert. In dessen Nähe befindet sich das neu erbaute One World Trade Center. Mit einer Höhe von 541 Metern ist es das höchste Gebäude der USA, in Fuß 1.776, eine Anspielung auf das Jahr der US-Unabhängigkeit 1776.

Nach 25 Jahren sind die USA und ihre Verbündeten nicht mehr in Afghanistan. Die Taliban haben das Land übernommen und halten es unter Kontrolle. Das religiöse Herrschaftssystem hat sich etabliert. Fast die Hälfte der etwa 45 bis 47 Millionen Einwohner benötigt humanitäre Hilfe. Im Land herrscht relative Ruhe, doch immer wieder flammt der Grenzkonflikt mit Pakistan auf. Deutschland erkennt die Taliban-Regierung nicht diplomatisch an, führt aber technische Gespräche, um Abschiebungen zu ermöglichen. Humanitäre Hilfe wird über unabhängige Partner weiterhin gewährt. In Deutschland leben etwa 430.000 Afghanen. Darunter sind anerkannte Schutzberechtigte, Geduldete, Menschen mit laufenden Asylverfahren und in Deutschland geborene Kinder afghanischer Eltern. Deutschland ist das wichtigste Zielland für Schutzsuchende Afghanen in Europa. Zusammengefasst ist festzustellen: Die Zukunft des Landes ist ungewiss. Mit der Aussage von Verteidigungsminister Peter Struck im Dezember 2002, die „Sicherheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt“, begann für die Bundeswehr die Zeit der Auslandseinsätze. Das Ergebnis des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages zu „Afghanistan“ umfasst über 1400 Seiten. Wer wird das lesen? Bei Theodor Fontanes historischer Ballade von 1858 ist das anders. Ihm reichen circa 260 Wörtern „Das Trauerspiel von Afghanistan“ zu beschreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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